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FTN | Arkadiusz

Peng Päng
FTN | Arkadiusz

Hallo Arkadiusz, stell dich kurz vor, woher kommst du?

Moin moin…ich heiße Arkadiusz und bin ein waschechter Pole aus  der Main-Frankenmetropole Würzburg. Dorthin bin ich zum Studieren gegangen. Allerdings habe ich den Großteil meines bisherigen Lebens in der Nähe und in Frankfurt am Main verbracht, in der ich ab und zu immer wieder mal auftauche. Natürlich darf dann auch ein Besuch im Freebase Records Laden und natürlich im Robert Johnson Club in Offenbach am Main nicht fehlen. Weiterhin mein Lieblingsclub Weltweit.

Wie bist du zur Musik gekommen und wann hast du dich dazu entschlossen
(d)ein eigenes Projekt zu starten?

No music, no life! Was sich auf dem ersten Blick nach einer banalen Floskel anhört, beschreibt im Grunde genau den Stellenwert von Musik in meinem Leben. Ohne Sie kann ich nicht leben. Sie umgibt mich so lange ich mich zurückerinnern kann. 

Angefangen hat alles Mitte/Ende der 80er Jahre mit dem Walkmen und den popigen Tapes meiner Mutter. Von russischer Klassik bis hin zu Freddie Mercury verschlang ich jede Form von Musik. Den Zugang zur reinen elektronischen Musik fand ich aber erst 1994 mit Moby‘s „Feeling so real“, welches ich zum ersten Mal bei meinem Cousin gehört hatte. Über Prodigy’s LP „Music for the Jilted Generation“ bis hin zu den selbst aufgenommen Clubnights des HR3-Radios zog mich dieses mir bis dahin noch sehr unbekannte Genre stark in seinen Bann und ließ mich trotz einer Hip-Hop und Nu-Metal-Phase nicht mehr los. Egal was ich hörte, immer stand für mich die Bassdrum im Vordergrund. Wenn sie nicht toll arrangiert war, gefiel mir die Musik nicht. Egal welches Genre.

Wer oder was hat dich dazu inspiriert?

Einen besonderen Meilenstein in meiner Elektro-Sozialisation stellt meine Lebensphase in Frankfurt am Main dar. Meine dortigen Besuche im Pro-Vinyl Laden und dem Robert Johnson Club entführten mich in die unendlichen Weiten des elektronischen Musikkosmos. Begeistert von dem teils sehr speziellen Bookings, der Identität des Clubs, dem netten Publikum und der Soundqualität entschied ich mich irgendwann selbst Musikunterhalter zu werden. Denn ich sah und hörte zum ersten Mal in meinem Leben, das elektronische Musik abseits des „Hände-in-die-Luft-Technos“ auch begeistern kann. Und wie!!!

So kommt es nicht von ungefähr, dass ich von Anfang Musik spielen wollte, die aus dem tiefsten meines Herzens kommt. Sie sollte auf der einen Seite emotional tiefgründig sein und auf der anderen Seite zum Tanzen anregen. Ein schwieriges Verhältnis, aber es funktioniert mittlerweile recht gut (Lacht). Ein wichtiger Mensch in meinem Leben sagte mir diesbezüglich, dass meine Art des Spielens auf den ersten Blick unattraktiv wirkt weil es anders ist, aber sobald man sich darauf eingelassen hat, dies nicht mehr missen möchte. Das fand ich sehr treffend und ist in dem neusten Podcast für euch auch musikalisch erfahrbar.

In den Mixtapes versuche ich stets noch weiter in die Tiefe einzutauchen. Schließlich bietet das Format so viele konzeptionelle Möglichkeiten. Von der Verarbeitung der eigenen oder anderen Gefühlen, über persönliche Erfahrungen und Erlebnisse bis hin zu konzeptionellen Hörbüchern ist alles möglich. Teilweise experimentiere ich auch mit anderen Genre, Sampeln aus Hörbüchern und Reden, sowie mit der Mashup-Technik. Egal was ich mische, stets setze ich mir hohe Maßstäbe. Übergänge sind mir daher sehr wichtig. Meiner Ansicht nach her müssen diese immer wieder zelebriert werden. Natürlich bietet nicht jeder neue Track diese Möglichkeit, aber nur ‘Bass-raus-Bass-rein‘ ist definitiv nicht meins. Ich denke dies spiegelt sich auch in den Sets die ich bei Auftritten spiele wider.

Mit welchen Equipment erstellst du deine Sets?

Hehe das ist bei mir etwas kompliziert. 

In der Regel mische ich den Großteil meiner Mixtapes digital mit Traktor oder Ableton sowie mit meiner APC-40 zusammen. Ab und zu kombiniere ich auch digitale mit analoger Vinyltechnik. Ohne jetzt Position für das eine oder andere beziehen zu wollen, investiere ich jeden Monat ein Teil meines Geldes in Vinyl. Mich begeistert das Medium sehr. Schon allein die Haptik der Vinylscheibe, das Format, die Hülle, das Cover, der Geruch lässt den ein oder anderen Track plötzlich  in einem ganz anderen Lichte dastehen, als ich ihn zuerst  digital wahrgenommen habe. Das stelle ich immer wieder fest. Daher stehe ich diesem ‘Web 2.0-Musik-Overkill‘ teils skeptisch gegenüber. Bei den ganzen Veröffentlichungen und dem ‘Edit-Wahnsinn‘ gehen zwangsweise viele schöne Tracks unter. Daher wohl meine Liebe zu dem physikalischen Medium (Lacht). Unabhängig des bevorzugten Mediums, werde ich dieses Jahr bei dem einem oder anderem Auftritt wieder ein reines analoges Set spielen. Das habe ich bereits mehreren Leuten versprochen. Auf ein bestimmtes Medium lege ich mich aber trotzdem nicht fest. Jedem das Seine, hauptsache die Party ist gut oder?

Welche sind dein 5 Lieblingstracks im Moment?

Puh schwierig. Aktuell gefällt mir die neue Dusky-Ep hervorragend. Egtl. Ist da für jeden Geschmack was dabei. Von sphärisch bis hin zur totalen Abfahrt ist alles dabei. Der neue Langspieler „Amygdala“ von Herrn Kozalla darf an dieser Stelle natürlich nicht unerwähnt bleiben. Ein Meisterwerk.

Wo entdeckst du für gewöhnlich neue Musik?

Das hat sich bei mir etwas verändert. Früher war es klar Soundcloud und einige Musikseiten auf Facebook, Nun durchstöbere ich aber eher verschiedene Webseiten von Vinylvertreibern, Shops und Labels. Da ist das Überraschungsmoment klar größer. Auf der anderen Seite finde ich aber immer wieder auch in Sets einiger mir bekannter Künstler einige neue tolle Sachen. 

Da ich seit letztem Jahr Artikel für das Onlinemagazin „Das schoene Leben (www.dasschoeneleben.com)“ verfasse, stolpere ich auch hier immer wieder über neue Musik, die mich in den Bann zieht. Steyoyoke ist z.B. solch ein Label, das ich vorher nicht gekannt habe.

Wo gehst du gerne einen Trinken?

In der Regel trinke ich sehr gerne Kaffe. In allen Formen und Mengen, hauptsache qualitativ hochwertig. Am liebsten in einem der unzähligen kleinen Straßeneckbistros in Porto. Allerdings lebe ich noch nicht dort, daher genehmige ich mir beim Weggehen oder Auflegen – wie es sich für einen Polen gehört – das ein oder andere Glas Wodka. 

In meinem noch aktuellen Wohnsitz in Würzburg gehe ich in der Regel nicht sehr gerne feiern. Dies hat mehrere Gründe, lässt sich aber auf den hohen Mainstreamanteil, welches sich im Programm, der Musik und dem Publikum zeigt, runterbrechen. Auf der anderen Seite hat sich in den letzten Jahren aber auch in Würzburg  eine Elektroszene mit diversen Veranstaltungsreihen entwickelt die mir teilweise zusagen. Allerdings liegt auch hier das Hauptaugenmerk auf Musik für die Massen. Ich sage es mal so, wenn ich weggehe und zum gefühlten 1000 Mal die gleichen Beatport-Hits höre, die Masse es aber trotzdem zelebriert, frage ich mich ernsthaft nach der Seele und der Message der gespielten Musik im Hier und Jetzt. Aber gut. Das Verhältnis zwischen Prostitution und eigener musikalischer Identität muss jeder für sich selbst abwägen….!!! 

Um den (ich nenne es jetzt mal) Undergroundsound in Würzburg etwas mehr nach vorne zu bringen, zelebrieren wir Gleichgesinnte seit 2012 ab und dann nun auch unser eigenes musikalisches PIKNIK. Diese Events sind immer wieder etwas Besonderes für uns. 

Wie ich bereits schon eingehend erwähnt habe, gehe ich immer wieder gerne in den Robert Johnson Club nach Offenbach am Main. Dort habe ich egtl. immer das Gefühl unter Gleichgesinnten zu sein. Natürlich gibt es noch weitere tolle Clubs wie das ‘Gewölbe‘ in Köln, den leider bereits geschlossenen ‘Versteck‘ in Dortmund, der ‘Favela‘ in Münster, und einigen Evergreens in Hamburg und Berlin die ich toll finde. Am liebsten sind mir aber kleine Clubs mit einem Floor, die einen familiären Touch haben.

Wie stellst du dir deine musikalische Zukunft vor?

Fettes Booking und Gagen im sechsstelligen Bereich (Lacht). Nein quatsch. Diesbezüglich habe ich keine konkreten Erwartungen. Ich nehme alles wie es kommt, versuche nichts zu forcieren. Ich denke keine Erwartungen zu haben und sich dann überraschen lassen, ist das Beste was man im Leben tun kann. Sonst verliert man sich in irgendwelchen Träumereien, die einem dann urplötzlich den Boden unter den Füssen wegreißen können. Das betrifft nicht nur die Musik, sondern alle weitere Bereiche im Leben.

Take it easy and live your life!

Als ich damals angefangen habe Musik zu mischen, hatte ich nie daran gedacht auch mal vor einem öffentlichen Publikum zu spielen. Und heute Zack. Pst: Ein weiteres musikalisches Projekt ist schon in Planung, aber noch geheim.

Einen konkreten Traum habe ich aber. Und zwar möchte ich auf einem Festival dem Sonnenaufgang mit einem Slow-Deephouse-Set entgegen schreiten….

Eine meiner Lieblingsfragen: Was war das Verrückteste was du beim Auflegen erlebt hast?

Dass ich die Liebe meines Lebens kennengelernt habe… Ein Blick und alles um mich herum war geschehen.

Möchtest du noch was loswerden?

Zunächst möchte ich mich bei den unzähligen Künstlern bedanken, die uns Musikverrückte tag täglich mit wundervoller Musik füttern. Ich hoffe, dass ich bald auch ein Teil davon werden kann…

Darüber hinaus möchte ich mich natürlich bei Elektroaktivisten.de und der Möglichkeit bedanken, einen Beitrag zu der noch jungen Podcastreihe beisteuern zu können.

Weiterer Dank geht an alle Freunde, Bekannte und Fans die mich fortwährend unterstützen.

Groove on!

facebook.com/pages/Arkadiusz

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